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Stand der technischen Dokumentaion in Russland und China

 

Viele europäische Hersteller liefern ihre Produkte mittlerweile nach Russland und China, wobei der Handel mit diesen Ländern häufig einen erheblichen Teil des Geschäftes ausmacht. Auch wenn die Frage der Technischen Dokumentation nicht im Vordergrund steht, so tauchen dennoch immer häufiger Fragen dazu auf, wie z.B.: 
• Was versteht man in diesen Ländern unter technischer Dokumentation? 
• Ist überhaupt eine technische Dokumentation in Form einer Information für den Benutzer (z.B. Betriebsanleitung) erforderlich? 
• Wie ist der aktuelle Stand hinsichtlich der Anforderungen an den Inhalt, die  Ausführung und die Sprache der technischen Dokumentation in diesen Ländern? 
Die Schwierigkeit bei der Beantwortung dieser Fragen ist die Recherche, denn die Gesetzestexte ? so es denn überhaupt Gesetze gibt - liegen häufig nur in der jeweiligen Landessprache vor und Informationen sind generell nur schwierig zu bekommen. 

Nachfolgend erhalten Sie ein paar Antworten auf die gestellten Fragen:
 
Technische Dokumentation in Russland 
 
Die Situation: 
 
Unter „Technischer Dokumentation“ werden in Russland die gesammelten Unterlagen für die Produktion eines technischen Produktes verstanden. Damit unterscheidet sich die Definition dieses Begriffes etwas von der in Deutschland gebräuchlichen Bedeutung. Hierzulande werden mit dem Begriff der Technischen Dokumentation überwiegend die Informationen des Herstellers für den Benutzer (z. B. Bedienungsanleitungen) verstanden. 
 
Die Technische Dokumentation wird in Russland bislang noch nicht als selbstständiger Beruf angesehen. Vielmehr entwickelt sich die Technische Dokumentation dort als Spezialgebiet im Rahmen der Informationsberufe. Die Technische Redaktion ist im Russischen ein Begriff aus dem Verlags- und Druckereiwesen und umschreibt die Erstellung von Satzanweisungen bei der Erfassung von Manuskripten. 

Die Informationsberufe wurden zu Zeiten der Sowjetunion unter dem Dach der GSNTI (Staatliches System wissenschaftlich-technischer Information) integriert. Auch nach der Auflösung des GSNTI ist jedoch das Problem der Technischen Dokumentation bzw. der Technischen Kommunikation - so wie es in Europa verstanden wird - noch nicht gelöst. Durch die Einführung der Marktwirtschaft und zunehmend erklärungsbedürftiger Produkte sind aber auch in Russland die Anforderungen an die Qualität der Technischen Dokumentation und die Qualifikation der Technischen Redakteure den letzten Jahren stetig gestiegen. Auch der Bedarf an Technischen Redakteuren nimmt zu. 
 
Die Informationen für den Benutzer werden auch heute in der Regel noch von den Ingenieuren erstellt, die an der Entwicklung der Produkte mitwirken. Technische Redakteure gibt es überwiegend nur in größeren Unternehmen mit eigener Marketingabteilung. 
 
Bei Produkten ausländischer Hersteller werden die Bedürfnisse der Verbraucher häufig bereits als gewahrt betrachtet, wenn eine Übersetzung von zweifelhafter Übersetzungsqualität beiliegt. Bei diesem Verhältnis zur Benutzerinformation handelt es sich sicher noch um ein Vermächtnis der ehemaligen Sowjetunion, in der die berechtigten
Interessen der Verbraucher hinsichtlich der Instruktion durch den Hersteller eine untergeordnete Rolle spielten - schließlich gab es ja genug Kunden für jedes Produkt. 
 
Inverkehrgabe von Produkten: 
 
Fast alle Waren bedürfen zur Inverkehrgabe in Russland einer Zertifizierung. Die Zertifizierung stellt ein entsprechend befugtes Zertifizierungsinstitut aus. Dabei handelt es sich um staatliche oder halbstaatliche Organisationen. Bereits bei der Zertifizierung wird wahrscheinlich die russische Übersetzung der Benutzerinformation von dem ausländischen
Hersteller zur Einsicht vorgelegt werden müssen. Insgesamt muss der Ablauf der Zertifizierung in der Praxis wohl aber eher als uneinheitlich und teilweise schwer nachvollziehbar bezeichnet werden. 
 
Derzeit müssen Benutzerinformationen grundsätzlich in russischer Sprache mitgeliefert werden. Bei Endverbraucher-Produkten muss die Anleitung in Russisch beiliegen. Bei Investitionsgütern (z. B. Fertigungsanlagen) kann man mit dem zukünftigen Betreiber vereinbaren, wer für die Übersetzung verantwortlich ist. Wichtig ist, dass es am Ende eine russische Benutzerinformation gibt. 
 
Da sich in Russland vieles ändert, sollten Sie die genauen Einzelheiten unbedingt vor Arbeitsaufnahme mit einem Zertifizierer abstimmen. Auch die Außenwirtschaftsabteilungen der Industrie- und Handelskammer sowie die Handelsabteilungen der Botschaft können hier weiterhelfen. 

Urheberschutz: 
 
Technische Dokumentation unterliegt auch in Russland bzw. auf dem Gebiet der Russischen Föderation grundsätzlich dem Urheberrecht. Die Einzelheiten werden durch folgende Gesetze  und andere Dokumente geregelt: 
• Gesetz der Russischen Föderation über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (09.07.1993, Nr. 5351-1)  
• Über die staatliche Politik im Bereich des Urheberrechtsschutzes und verwandter Schutzrechte (Erlass Nr. 1607 vom 07.10.93 des Präsidenten der Russischen Förderation)  
• Fragen des Beitritts der Russischen Förderation zu einer Reihe internationaler Konventionen im Bereich des Urheberrechtsschutzes (Anordnung Nr. 152-rp vom 25.03.1994 des Präsidenten der Russ-schen Förderation)  
• Berner Übereinkommen zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst (Pariser Fassung vom 24.07.1971)  
• Internationale Konvention zum Urheberrecht (Pariser Fassung vom 24.07.1971; Verordnung Nr. 1224 der Regierung der Russischen Förderation vom 03.11.1994)  
• Über Information, Informatisierung und Informationsschutz (Föderales Gesetz Nr. 24-FZ vom 20.02.1995)  
• Über die Teilnahme am internationalen Informationsaustausch (Föderales Gesetz Nr. 85-FZ vom 04.07.1996)  
• Stockholmer Übereinkommen zur Errichtung der Weltorganisation für geistiges Eigentum (14.07.1967)  
• Zivilgesetzbuch, Teil 3 über den Schutz von geistigem Eigentum 

Technische Dokumentation in China 
 
Die Situation: 
 
Aufgrund der Dynamik der chinesischen Wirtschaft befindet sich dort vieles im Umbruch. Diese Situation macht natürlich auch nicht vor der Technischen Dokumentation halt. So steigen die Anforderungen an die Qualität der Dokumentation und die Qualifikation der Technischen Redakteure auch in China stetig. Für ausländische Hersteller kommt in China insbesondere noch die Sprachbarriere hinzu. 
 
Chinesisch besteht aus ungefähr 50.000 Schriftzeichen, von denen 5.200 Zeichen notwendig sind, um 99,99% aller Texte zu verstehen. Der durchschnittliche Chinese beherrscht ca. 4000 Zeichen. Bei durchschnittlichen Akademikern steigt diese Zahl auf ca. 6.500. Ist das Ausbildungsniveau sehr hoch, so kann die Zahl der beherrschten
Schriftzeichen auf über 10.000 ansteigen.  Technische Begriffe werden ebenfalls durch die Kombination einzelner Schriftzeichen beschrieben. Dabei sind oftmals mehrere Beschreibungen durch die Verwendung verschiedener Schriftzeichen für eigentlich identische Begriffe möglich. Um aber die Anzahl der Beschreibungen für identische Begriffe nicht zu unübersichtlich werden zu lassen, werden neue Begriffe durch eine staatliche Kommission erarbeitet. Diese Kommission berät sich dazu mit den erforderlichen Fachleuten und vergibt für das ganze Land einheitliche und
verbindliche Begriffe. 
 
Wenn Sie also einen Technischen Begriff für Ihre Dokumentation benötigen, so müssen Sie zuerst prüfen, ob von der Kommission bereits ein verbindlicher Begriff vergeben wurde. 
 
Inverkehrgabe von Produkten: 
 
Um den steigenden Anforderungen durch die Umgestaltung der sozialistischen Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft, sowie durch die politische und wirtschaftliche Öffnung nach außen gerecht zu werden, hat die chinesische Regierung in den vergangenen Jahren zahlreiche Rechtsvorschriften erlassen, von denen einige auch den
Verbraucherschutz und damit die Technische Dokumentation betreffen. Insgesamt orientieren sich diese Gesetze sehr stark an vergleichbaren Gesetzen aus Europa und USA. 
 
Insbesondere sind hier zu nennen: 
• Produktqualitätsgesetz der VR China vom 22.02.1993 in der Fassung vom 08.07.2000 (Law of the People’s Republic of China on Product Quality; http://lehrstuhl.jura.uni-goettingen.de/chinarecht/930222.htm) - hier wird eine
entsprechende Benutzerinformation gefordert, wenn sie für den sicheren Umgang mit dem Produkt notwendig ist.  
• Verbraucherschutzgesetz der VR China vom 31.10.1993 (Law of the People’s Republic of China on Protecting Consumer’s Rights and Interests) - hier findet sich nicht nur eine eindeutige Verpflichtung des Herstellers zur Erstellung einer wahrheitsgetreuen Benutzerinformation, sondern auch eine Verpflichtung zur Produktbeobachtung. Außerdem muss das Produkt die in der Beschreibung zugesicherten Eigenschaften besitzen.  
• Regionale Umsetzungen der o.g. Gesetze zur besseren Anpassung an regionale Besonderheiten in den Provinzen etc. Hier müssen insbesondere das “Regulations of the City of Shanghai regarding the Supervision and Control of Product Quality” und das “Regulations of Shanghai Municipality on the Protection of consumer’s Rights and Interests” (vom 28.10.2002) genannt werden.
In Letzterem findet sich zum
Beispiel die Forderung, dass die Instruktion des Benutzers in einer für den Benutzer
verständlichen Darbietung und Sprache zur erfolgen hat.  Damit kommen wir zum nächsten Problem: Zwar wird Englisch an chinesischen Schulen als erste Fremdsprache unterrichtet, aber ähnlich wie in Deutschland versteht bzw. spricht deshalb nicht jeder Chinese automatisch Englisch. Hersteller, die Ihre Anleitungen nur in Englisch abgeben, setzen sich damit einem unnötigen Haftungsrisiko aus, da die gesetzlichen Anforderungen möglicherweise als nicht erfüllt angesehen werden müssen - auch wenn die Beigabe einer englischsprachigen Benutzerinformation nach dem o.g. Gesetz zunächst grundsätzlich zulässig ist. 
 
Auch die Zollbehörden etc. sind angewiesen, englischsprachige Dokumente ausländischer Hersteller zu akzeptieren. Dabei besteht natürlich immer das Risiko, dass englischsprachige Dokumente von den Behörden als eine Missachtung der chinesischen Kultur betrachtet werden und nicht unbedingt zu einer bevorzugten Bearbeitung beitragen. 
 
 
CCC-Zertifizierung 
 
Zahlreiche Produkte müssen die seit dem 01.08.2003 vorgeschriebene CCC-Zertifizierung (China Compulsory Certification) erfolgreich durchlaufen, bevor sie in China in den Verkehr gebracht werden dürfen. Die dafür erforderliche Dokumentation sollte in Chinesisch abgegeben werden, um das Verfahren zu beschleunigen. Englischsprachige Unterlagen können aber auch eingereicht werden. 
 
Bitte beachten Sie bei der Zusammenstellung der Unterlagen, dass das Konzept der CCC-Zertifizierung den idealen Nährboden für die Produktpiraterie bietet, mit der bereits viele ausländische Hersteller in China zu kämpfen haben. Prüfen Sie also sehr sorgfältig, welche Informationen Sie der Zertifizierungsstelle zukommen lassen! 

Quelle: VDI Newsletter Ausgabe 1/2007 vom 5.1.2007


 
 
 
 
   
 
 
 
 
 
 
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