Suche
     
 
Drucken |  Empfehlen  |  Favoriten
   
 
 
 
 
 
 

 
zur Übersicht

Vereinigtes Königreich – Allergie auslösende Haarfarbe ist nicht fehlerhaft

 

Der County Court in St. Helens (Merseyside) hat am 25. November 2013 entschieden, dass ein Mittel zum Haarefärben nicht bereits dann schon fehlerhaft i. S. des Consumer Protection Act 1987 ist, wenn eine darin enthaltene Chemikalie eine allergische Reaktion auslöst (Buckley v. Henkel Ltd).

Bei dem streitgegenständlichen Haarfärbemittel handelte sich um die dauerhaft schwarzfärbende Coloration Schwarzkopf Live XXL Cosmic Blue, die Toluene-2,5-Diamine Sulfate enthält. Die 34-jährige Klägerin, die in Liverpool lebt, las am 13. Mai 2009 die Gebrauchshinweise des Mittels und führte wie empfohlen 48 Stunden vor der Anwendung einen Allergieverdachtstest (Patch-Test) aus. Nachdem dieser keine Reaktion erbrachte, verwendete die Klägerin am 15. Mai 2009 das Produkt entsprechend den Anwendungshinweisen. Sie erlitt eine heftige allergische Reaktion, die ihr Gesicht anschwellen ließ und zu Haarverlust führte.

Die Klägerin verklagte die Herstellerin Henkel Ltd., eine englische Tochter der deutschen Henkel AG & Co. KGaA, auf Schadensersatz nach dem Consumer Protection Act 1987 (CPA), der wie das deutsche ProdHaftG auf der Produkthaftungsrichtlinie 85/374/EWG basiert.

Das Haarfärbemittel der Beklagten weise einen Fehler gem. § 3 Abs. 1 CPA auf, da es nicht den berechtigten Sicherheitserwartungen entspreche. Die Industrie setze aus Gründen der Kostenersparnis weiterhin auf die sog. Oxidationshaarfärbung, obwohl es mittlerweile Färbemethoden gäbe, die keine Allergien auslösten. Wie Tabakprodukte zeigten, sei ein Produkt nicht schon deshalb sicher, weil es zum Verkauf zugelassen sei. Des Weiteren sei der empfohlene Allergieverdachtstest ebenfalls fehlerhaft, da er nicht zuverlässig nachweise, dass keine Allergie vorlag. Bei der tatsächlichen Anwendung werde eine bis zu hundertfach größere Menge des Produkts benutzt als beim Patch-Test.

Der County Court wies die Klage ab. Das Haarfärbemittel sei nicht schon deswegen fehlerhaft i. S. von § 3 Abs. 1 CPA, weil es Toluene-2,5-Diamine Sulfate enthalte. Ein Verbraucher könne nicht erwarten, dass ein Produkt frei von jedem Risiko sei, insbesondere, wenn es wie ein Haarfärbemittel naturgemäß auf einer chemischen Reaktion basiere. Im Beipackzettel werde auf die Risiken besonders hingewiesen und ausdrücklich auf die Gefahr einer schweren allergischen Reaktion aufmerksam gemacht, sogar unter Hinweis auf deren Symptome. Zudem sei die betreffende Chemikalie bereits unter der Richtlinie 76/768/EWG und heute weiterhin unter der EU-Kosmetik-Verordnung zugelassen.

Auch der Patch-Test sei nicht als fehlerhaft anzusehen. Es handele sich nur um eine Vorsichtsmaßnahme, die keine hundertprozentige Sicherheit bieten könne. In der Gebrauchsanweisung werde darauf hingewiesen, dass der Test das Risiko verringere, nicht jedoch eliminiere. Zudem sei der Test lediglich dazu da, das Produkt in der Anwendung sicherer zu machen, und könne schon deshalb nicht als Fehler des Produkts selbst angesehen werden.

 
 
 
 
   
 
 
 
 
 
 
HandelSchweiz veröffentlicht Artikel zum Produktesicherheitsgesetz
3. Auflage des Kommentars zum Produktehaftpflichtgesetz (PrHG)
Veröffentlichung zum Thema Warn- und Sicherheitshinweise
Zwei Vorträge zum Thema Produktesicherheit
Vereinigtes Königreich – Allergie auslösende Haarfarbe ist nicht fehlerhaft
 
 
Produktesicherheitsgesetz
Produktehaftung 2017
Haftungsrisiko von Führungskräften
Warn- und Sicherheitshinweise in der technischen Dokumentation